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Es geht auch ohne Repression

Der IGM-Vorstand während einer von der Polizei begleiteten Besichtigung der B48.

Kann es sein, dass auf unserem Planeten Strassen so (um- oder aus-)gebaut werden, dass sie die Folgen von Motorradunfällen – unabhängig von der Verschuldensfrage – für Fahrer und Beifahrer in Grenzen halten? Die ewigen und auf weiten Strecken fruchtlosen Diskussionen mit den verantwortlichen Behörden und Organisationen in der Schweiz über Unterfahrschutz an Leitschranken, Bitumenflickereien und die Entfernung gefährlicher Hindernisse am Strassenrand lassen keine positive Antwort auf diese Frage erwarten. Und doch. Es soll sie geben, diese „Forgiving Roads“ oder „verzeihenden Strassen“. Und das nur eine gemütliche Tagestour entfernt! Also nichts wie hin!

 

Von der Polizei empfangen

In mehrjähriger Zusammenarbeit haben Wissenschaft, Verwaltung und Polizei ein berüchtigtes Teilstück der B48 analysiert, anschliessend Verbesserungen geplant und nun realisiert. Jetzt lädt das Biker-Paradies in der Pfalz – in der Nähe der südlichen Weinstrasse – zum Be- und „Erfahren“  ein. Doch was ist so speziell an der Route? Was so beispielhaft, dass wir in der Schweiz daraus lernen könnten? Diese Fragen zu stellen, war dem Vorstand der IG Motorrad nicht genug. Er nahm die Gelegenheit wahr, die Antworten anlässlich seiner Jahresabschlusstour gleich selbst mit den eigenen Töffs vor Ort zu suchen. Anlaufpunkt auf der B48, einer sich kurvenreich durch einen weiten Wald schlängelnden Regionalstrasse, war das sog. Johanneskreuz. Ein grosser Platz inmitten vom Wald mit diversen Restaurants und Kiosken und einem grossem Parkplatz, auf dem sich im Sommer nicht nur Tausende von Bikern, sondern auch Familien und Ausflügler mit PWs, Campern und sogar Bussen treffen, um den Ort und seine Umgebung zu geniessen. Verkehrstechnisch betrachtet ein neuralgischer Punkt, da die unterschiedlichsten Verkehrsteilnehmer direkt aufeinander treffen. Dank medialer Vorarbeit wurde der IGM-Vorstand am Johanneskreuz von führenden Vertretern des Polizeipräsidiums Westpfalz zum Ortstermin empfangen. Die Behörde ist für die Sicherheit auf den Strassen der Grossregion zuständig. Sie hat die B48 rund um das Johanneskreuz saniert und verfügt über alle Informationen und Statistiken, vor allem konnte sie auch Auskunft geben über die Philosophie, die für sie hinter der Neuplanung der B48 stand.

 

„Miteinander sicher ans Ziel.“ So lautet das Motto hinter dem Umbau. Und nicht etwa: „Mit Kontrollen und Bussen den Bikern die Freude am Fahren vermiesen.“ Auch in der Pfalz geht es nicht ohne Geschwindigkeitskontrollen, doch erstens spielen sie nur eine untergeordnete Rolle, zweitens richten sie sich ganz gezielt gegen die, die das Fuder mannshoch überladen und andere – und sich selbst – dabei gefährden. „Wir wollen nicht den Motorradfahrer, der seine Freiheit auf dem Bike geniesst und dabei etwas zu schnell unterwegs ist, die Freude am Fahren verderben. Wir wollen im klarmachen, dass er dabei seine fahrerischen Grenzen und die Sicherheit Dritter in jeder Situation im Auge behält,“ erläutert Hauptkommissar Andreas Kohler vom Polizeipräsidium Westpfalz. Kommt es zu Kontrollen, steht den Beamten das Recht zu, mit Augenmass über die Konsequenzen von Übertritten zu entscheiden. Nur bei Uneinsichtigen und krassen Verstössen wird durchgegriffen.

 

Kommunikation via „Bikerstartup“

Wichtiger Bestandteil der Sanierung sind begleitende Massnahmen. Für uns ist die Aufklärung im Rahmen von Diskussionen und Präsentationen ein Ansatz, der von Bikern akzeptiert und anerkannt wird. Jedes Jahr lädt die Polizei zu Verkehrssicherheitstag für Motorradfahrer. Zu dieser ganztägigen Veranstaltung kommen zahlreiche Verkehrsteilnehmer – auch  viele Biker – um mit der Polizei, mit Vertretern von TÜV, Verkehrswacht und anderen Organisationen zu diskutieren. Es hat auch schon Unfallstellenrundfahrten gegeben, bei denen Polizeibeamte anlässlich einer gemeinsamen Rundfahrt auf Unfallstellen aufmerksam gemacht und die Risiken diskutiert haben. Inzwischen werden diese Unfallstellenrundfahrten mit Motorradsicherheitstraings kombiniert. Der Anlass nennt sich nun „Bikerstartup“.

 

Gebietsfremde oder alle anderen, die nicht von den Vorführungen und Erläuterungen der Polizei eingestimmt werden können oder wollen, präsentiert die Strecke auf der B46 bauliche Massnahmen, welche Unfälle primär verhindern, sekundär die Konsequenzen eines Unfalls vermindern sollen. So wurde Sicht auf der Strecke und vor allem vor Kurven durch das Rückschneiden von Bäumen und Büschen soweit verbessert, dass nicht nur der Gegenverkehr gut eingesehen werden kann, sondern auch Wild, das über die Fahrbahn wechselt, frühzeitig erkannt wird. Hindernisse neben der Fahrbahn wurde soweit möglich entfernt, Leitschranken mit Unterfahrschutz versehen. In einer besonders gefährlichen Kurve wurden die Leitschranken sogar entfernt und durch einen Erdwall ersetzt. Damit wird die Sturzzone erweitert, die Verletzungsgefahr verringert, sollte jemand die Kurve tatsächlich unfreiwillig verlassen. 

 

Selbstverantwortung stärken

Auch wenn die baulichen Vorkehrungen der Strecke beispielhaft zeigen, was für die passive Sicherheit von Motorradfahrerinnen und Motorradfahrern von Seiten der Behörden getan werden kann, mindestens so bemerkenswert ist die verständnisvolle Grundeinstellung der Behörden für die Anliegen der Zweiradfahrer. „Wir suchen das Gespräch und den Austausch mit unserer Klientel.“ Mehrere Polizisten fahren selber – privat und beruflich – Motorrad und verstehen die Anliegen der Biker. Im Gespräch bleiben, heisst deshalb die Devise. Gegenseitiges Verständnis schaffen. Damit auch die Selbstverantwortung der Motorradfahrer stärken.  Ob wir eine ähnliche Präventionsarbeit auch in der Schweiz erleben können, bleibt wohl die eigentliche Gretchenfrage.

 

Weitere Informationen und Bilder zum „Johanneskreuz“ gibt’s im Töff 12/09 auf Seiten 74-76.

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