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In Baden werden zwei Busspuren für Töffs geöffnet

Motorradfahrer dürfen in der Region Baden nach dem 1. Oktober versuchsweise zwei ausgewählte Busspuren mit benutzten. Weil vor diesem Entscheid des Aargauer Departements Bau, Verkehr und Umwelt vom 15. September ein als sakrosankt eingestuftes Thema erstmals ernsthaft diskutiert und dann auch noch für wert befunden wurde, die Folgen einer solchen Freigabe in einem Versuch zu testen, stiess die kleine Meldung bei Medien und in der Öffentlichkeit auf beachtliche Aufmerksamkeit. Für die IG Motorrad ist dieser Entscheid darüber hinaus ein wichtiger Erfolg, weil sie es war, die Regierungsrat und Baudirektor Peter C. Beyeler im Februar 2007 angefragt hatte, einen solchen Schritt zu unternehmen. Kurzfristig war der Antrag seinerzeit zwar vehement abgelehnt worden, inzwischen ist aber so viel Wasser die Limmat hinunter geflossen, dass sich die Vernunftargumente der IGM nun doch noch gegenüber den traditionellen, aber wenig stichhaltigen Nein-Argumenten durchgesetzt haben.

Interessant am Entscheid ist zudem die Tatsache, dass im zuständigen Departement die drei Bereiche Bau, Verkehr und Umwelt vereint sind. Der Versuch dürfte somit nicht nur vom Argument, die vorhandene – und kaum mehr erweiterbare – Strasseninfrastruktur effizienter zu nutzen, getragen worden sein, sondern auch mit Umwelt- und Sicherheitsargumenten in Einklang stehen. Welchen Einfluss die gewählte Zeitphase des Versuchs auf die Erkenntnisgewinnung haben wird, ist unklar. Im Herbst und Winter sind bekanntlich eher weniger Töff- und Scooterfahrer unterwegs, so dass zumindest auf Seiten der Verkehrsentlastung nur geringe Vorteile zu erzielen sein werden. Ob dies trotzdem zu einer spürbaren Verbesserung des Verkehrsflusses beitragen kann, ist abzuwarten.

Ähnliches kann auch zur erwarteten Steigerung der Verkehrssicherheit gesagt werden. In diesem Zusammenhang ist indessen wichtig, dass sich die Zweiradfahrer, die die Teststrecken nach der Freigabe nutzen, ihrer Verantwortung gegenüber allen anderen Kolleginnen und Kollegen bewusst sind und sich diszipliniert bewegen und insbesondere den öffentlichen Verkehr im Auge behalten. Geht der Versucht – aus Sicht der MotorradfahrerInnen – schief, weil der öffentliche Verkehr behindert oder Zwischenfälle Risiken aufdecken, wird das Thema für eine weitere Ewigkeit zementiert. Diesen Gefallen sollten die Motorradfahrer den Versuchsgegnern nicht liefern. Wird der Versuch ein Erfolg, in eine Dauereinrichtung überführt und mit weiteren Strecken ergänzt, werden die Diskussionen in anderen Städten rasch heiss laufen und die Argumente der IG Motorrad nachhaltig Wirkung zeigen. Im Aargau selbst überlegt man sich bereits, für den Erfolgsfall einen Vorstoss zur Anpassung der nationalen Gesetzgebung an dieses neue Verkehrsregime zu unternehmen.  

Bereits hat Zürich auf den Pilotversuch im Aargau reagiert und verlauten lassen, dass man ihn mit Interesse beobachten werde, auch wenn eine solche Massnahme in Zürich vorerst nicht in Frage käme. Das von Heiko Ciceri, dem Sprecher der Zürcher Dienstabteilung Verkehr, vorgebrachte Argument, dass mit der Öffnung der Busspuren für Töffs die Priorisierung des öffentlichen Verkehrs ins Stocken geriete, muss aber erst bewiesen werden. Eine solche Behinderung zu vermeiden, dazu sollte jeder Biker durch eigenes Verhalten beitragen.

Baden darf sich nach dem wegweisenden und mutigen Entscheid in die Liste Motorrad- und Sooter-freundlicher Städte wie Wien, Bristol und Bath (GB) und demnächst auch London einreihen.  

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